Erwartungen erfüllen ist ja schön. Wirklich spannend wird es aber, wenn sie übererfüllt werden. Man bekommt emotional also mehr, als man erhofft hat. Und dafür ist einem Johannes Fritz zu danken. Der nutzt die „Tour de Vin“ der Österreichischen Traditionsweingüter (ÖTW) nicht als Tag der Offenen Kellertüre. Sondern er organisiert ein Treffen mit Spitzenwinzern, das zum Nachdenken führt. Wo Weinbau heute hingeht. Oder hingen kann. Hingehen soll? Jedenfalls traf diese Kombination im neuen Gutshof Toni Mörwalds einen Nerv. Außergewöhnliche Wein aus Bolgheri – von Legende Lodovico Antinoris Tenuta del Nicchio – trafen auf den Rebsorten-King des Wagram. Roter Veltliner und Cabernet Franc standen also auf dem Verkostplan. Und wir widmen ihnen zwei Teile (hier geht’s dann zu den Roten aus der Toskana).
Den Wagramer Auftakt bestritt dabei Johannes Fritz. Der Sohn des Sortenspezialisten Josef Fritz hat vom Vater die Leidenschaft für den Roten Veltliner geerbt. Das wird in seinen Ausführungen schnell klar, die er der zum Glück wieder stärker ausgepflanzten endemischen Rebsorte widmet. Und doch geht er einen etwas anderen Weg als Josef Fritz. Das unterstreicht der Name ihres gemeinsam selektionieren Flaggschiffs „Josef vs. Johannes“. Wobei: „Versus muss nicht immer als Gegensatz verstanden werden“. Gemeinsam kostet man den besten Vertreter heraus. Fritz, der Jüngere, präferiert dabei „alte, kleine Holzfässer“, die nur mehr wenig Geschmackseintrag liefern.
Die kleine Vertikale am Wagram beginnt mit dem Jahrgang 2023. Zuckerkipferl, Honig und erst dahinter exotische Früchte wie Papaya lassen keine Fragen offen – das ist Fritz-Power pur. Geschmacklich hingegen zeigt sich der Jüngste der Serie satt am Gaumen, aber dennoch kühl. Wie ein Mango-Lassi mit wenig Süße, aber ordentlich Schmelz kommt der Rote Veltliner auf die Zunge. Feine Würze liefert ein Anklang an Weißen Pfeffer, auch kandierten Ingwer trinkprotokollieren wir. Rotfruchtig und ein wenig pikant legt es dieser „Josef vs. Johannes“ an – das gefällt! Und man soll das auch explizit sagen: Bei aller Kraft ist es diese lebendige und leicht scharfe Würze, die ihm hinten nach Luft unter die mächtigen Flügel bläst. Dieser 2023er besitzt starkes Trinkanimo.
Im direkten Vergleich hat es 2022 etwas schwerer. Bei den anderen Wagramer Weinen, die wir an diesem Tag in der Region kosten, zeigt sich ein ähnliches Bild. Allerdings gibt es auch Unterschiede je nach Rebsorte. Der notorisch schwierige „RV“ gelingt aber Könnern wie Josef und Johannes auch in einem solchen Jahr. Ohne den direkten Vergleich mit den beiden ungeraden Jahren – 2023 und dem noch folgenden 2021er – ist auch dieser Weiße ein Monument: Helles Karamell, ein wenig „Lotus“-Keks, dazu Cornflakes in Milch und getrocknete Ananas als fruchtiger Anteil trinkprotokollieren wir.
Der gelbe Tropenfrucht-Mix, der über die Zunge rinnt, ist saftig und hat doch auch wieder diese raffinierte Curry-Würze (wie schon der 2023er). Man denkt an Kurkuma, aber auch „Stollwerck“ durch die Tertiärnoten. Ein Quäntchen Salz im Nachklang schließt den intensiv-üppigen Weißwein dann zusätzlich auf.
Goldgelb und verhalten ist dann der Rote Veltliner aus dem „magischen“ Jahrgang 2021. Deutlich ruhiger ist er im Duftbild, dafür sind die Fruchtnoten in gelbe Schattierungen getaucht: Bananenchips, gelbe Fisolen und eine leicht röstige Art deuten auf einen anderen Fass-Einsatz hin. Das unterstreicht auch der erste Schluck; vollmundig waren sie auch bisher, doch das ist eindeutig der würzigste Jahrgang! Das mag auch an der Säure liegen, die hier zumindest dem Gefühl nach höher ist und alle Noten hebt. Das Salzige, aber auch den Gelbwurz-Ton der Curry-Würze. Offenbar ist auch beim Roten Veltliner dieser Jahrgang ganz außergewöhnlich geraten. Was für ein Trio! (Oder muss es bei Josef vs. Johannes „Was für ein Sextett“ heißen?)
Bezugsquelle:
Weingut Fritz, Roter Veltliner „Josef vs. Johannes“ ist in den Jahrgängen 2022 und 2023 um EUR 54,- ab Hof erhältlich, https://shop-weingut-fritz.at






