Zufälle gibt es ja bekanntlich nicht. Und so saßen wir letztens mit dem Produzenten des einzigen Kamptaler Sangiovese (!) zusammen. Dietmar Hiedler und sein Bruder Ludwig haben diese Anlage von ihrem Vater übernommen. Und der holte die Setzlinge damals aus der Toskana, als das mangels EU-Beitritt Österreichs noch nicht einfach war. Doch Ludwig Hiedler sen. hatte sich während seines Praktikums in der Toskana in die Sorte verschaut. Und was soll man sagen? Genau vom Weingut, auf dem er damals Praxis machte, kam dieser Tage der neue Jahrgang heraus: Isole e Olena ist einer dieser stillen, unglaublich verlässlichen Anbieter aus dem alten Rotwein-Land.
Der Jahrgang 2023 des Chianti Classico, den wir trinkprotokollierten, war nach dem verkorksten 2022er fast ein Labsal. Echte Trockenperioden blieben aus, nachdem man im Frühjahr schon mit Mehltau und zu viel an Niederschlag kämpfte. Wenig, aber ausreichender Regen im Sommer sicherte eine gute Entwicklung in der Region Poggio. Das zeigt auch die bis Mitte Oktober dauernde Lese.
Unser Chianti Classico bildet das pulsierende Herz des Guts in San Donato in Poggio und versteht sich als stolzer und authentischer Botschafter der Appellation und ihres Erbes.
Emanuele Reolon, technischer Direktor, Isole e Olena
Als echten Toskaner der alten Schule weist der kleine Anteil Canaiolo den Wein aus. Gemeinsam mit dem Sangiovese-Anteil wird alles in Stahltanks vergoren. Das erhält die Frische der Rebsorten und wird durch den Verzicht auf zu viel Holz noch unterstrichen. Ein Jahr im großen Holzfass und die obligate Flaschenreife (sechs Monate) ergeben einen geradezu typisch südlichen Rotwein.
Rote und schwarze Beeren signalisieren bereits beim ersten Riechen einen wohl sehr zugänglichen Chianti. Geschliffen glänzt ausschließlich die Frucht, darunter auch Amarena-Kirsche; etwaige Eichenholz-Eindrücke hat der Isole e Olena einfach „geschluckt“.
Der Eindruck ist absolut korrekt! Einen Schluck später hat man einen fast burgundischen Eindruck vom Sangiovese, der zweifellos auch anders kann. Doch hier rollt er seidig über die Zunge. Das spannendste Element ist der leichte, aber deutliche Eindruck der oft beschriebenen (aber nur selten geschmeckten) Erdbeer-Note der Sorte. Die bisher kaum zu merkenden 14,5% vol dieses 2023ers federt eine leichte Vanille-Note im Nachklang ab. Einmal mehr muss man hier nur eines sagen: Bitte leicht ankühlen, dann „singt“ diese Flasche so richtig. Schlichtweg ein Klassiker!
Wer gerne dickere Rindfleischstücke grillt, ohne sie mit Gewürzen zu erschlagen – dieser Wein ist gemacht dafür. Aber auch für eine sommerliches Abend-Achterl nach getaner Arbeit. Beim Heimkommen aus dem Kühlschrank nehmen, herumkramanzen und 35 Minuten später in ein nicht zu kleines Glas einschenken. So gehen kleine Genussmomente auch ohne Urlaubs
Bezugsquelle:
Isole e Olena, Chianti Classico 2023 kostet EUR 27,90 im E-Shop von Weisshaus, www.weisshaus.at




