Wer Roten Muskateller schätzt, weiß um die wenigen Anbieter, die sich der Sorte widmen. Christian „Che“ Schabl in der Thermenregion ist einer, die diese Rarität pflegt. Umso erfreuter waren wir aber, dass wir mit Irmi Stich eine weitere Niederösterreicherin auf die kure Liste der „RM“-Erzeuger setzen durften. Die Bekanntschaft verdankte sich dem Schweizer in der Wollzeile, dessen legendär kleiner „Schani“ für die Palette der Winzerin aus Bad Pirawarth bald zu klein wurde. Denn nicht nur der Roten Muskateller wird vom Bio-Weingut ausgebaut, generell findet man dort mehr Sorten als man dem monochrom Veltliner-grünen Weinviertel zutrauen würde. St. Laurent gibt es da, Gewürztraminer, aber auch Pinot Noir. Und die Liste geht weiter.
Denn schon mit ihrem ersten Wein an diesem heißen Verkosttag weckte Madame Stich die Neugierde. Denn Welschriesling ist in seiner Hochburg Burgenland schon selten zu finden, geschweige denn in NÖ. „Wenn es „Riesler“ hieß, war das aber lange immer der Welschriesling“, rückt die Winzerin die historische Perspektive zurecht. Aber das braucht es gar nicht für und Trinkprotokollanten. Denn so wie dieser 2025er Jahrgang nach Apfel und einem Haucherl Birne duftet, ist das ein „Welsch“ vom alten Schlag! Soll heißen: Knackig und trocken, eigentliche einer der klassischen Sommerweine. Mit nur 11,5% vol erfüllt seine Leichtigkeit dieses Anforderungsprofil, aber auch die Kräuternoten, etwas Limettenschale und frische Wiesenchampignons stehen für ein frisches Duftbild ein.
Engmaschig und mit rassigem Säurebiss ist der auf Löss und Kalk (letzteres schmeckt man an der Straffheit!) gewachsene Weiße. Der Tiefgang überrascht bei diesem „einfachen“ Wein. Denn da ist auch eine leichte Salzmineralik, die zu den Grapefruit-Zesten am Gaumen hinzutritt. Sie hebt das Trinkanimo dieses herrlichen Sortenvertreters noch. Dieser 2025er ist ein Wein mit Understatement (am Weingut selbst stapelt man mit „Passt sehr gut zu Brettljause“ tief), der jederzeit geöffnet werden kann.
Ist dieser Auftakt einmal gesetzt, legt Irmi Stich noch eines drauf. Denn sie ist eine bekennende Freundin der weißen Burgundersorten. Selbst dem raren Grauburgunder hat sie eine Heimat gegeben. Er wurzelt in der Ried Gadlehen, in der gleich nach Irmi Stichs Matura die burgundische Herzensangelegenheit mit einem Weißburgunder (Kauftipp: der „Privat“ mit seiner Schmelzigkeit vom Schwarzerde-Löss-Boden) begann.
Doch zurück zum Grauburgunder, bei dem wir uns platte Namenswitze verkneifen. Auch bei diesem Wein sind wird erneut schon vorm Verkosten positiv eingestellt. Denn der leichte Rotschimmer, ein zarter Kupfer-Ton im Glas, zeigt, dass man die Sorte nicht versteckt. Der „Graue Mönch“ mit seinen hochfärbigen Trauben zeigt diese Schattierung nach längerer Maische-Standzeit. Mehrere Stunden gewährt man ihm am Weingut auch und dieser 2025er hat einen Duft, den man gerne länger genießt: Honig und Nusscreme legen vor, die gelben Früchte – vor allem Kriecherl – entbinden schön langsam ihre Aromen.
Entsprechend rund und saftig ist dieser Grauburgunder, der erneut saftige, dezent tropische Früchte auf den Gaumen bringt. Die Lebendigkeit des Weines am Gaumen – generell ein Markenzeichen der verkosteten Auswahl! – lässt auch hier mit der Zunge schnalzen. Würzig wird es ab dem mittleren Gaumen. Man denkt an Zitronenmelisse, Sesamgebäck und Weißen Mohn. Diese Geschmacksnote hat auch einen Nebeneffekt – sie bricht die kräftigen 14% vol dieses Weines. Denn Kraft um der Kraft willen, ist nicht die Sache von Winzerin Stich. Denn das würde ja auch der Vielfalt widerstreben!
Bezugsquelle:
Weingut Stich-Gaismayer, Welschriesling 2025 „Löss und Kalk“ kostet EUR 7,90, der Grauburgunder „Ried GadIehen“ ist um EUR 13,90 erhältlich, beide ab Hof bzw. im Webshop, www.weingut-stich.at





