Mitunter sind wir ein wenig eigen. Speziell was die Reihenfolge angeht. Daher kam erst der Gast (Philipp Grassl) im Rahmen der heurigen „Tour de Vin“ zuerst ins Trinkprotokoll (hier nämlich), jetzt erst folgt der Gastgeber. Martin Mittelbach wird es hoffentlich verzeihen, denn der Winzer weiß, dass wir es gern unorthodox halten mit den Besuchen am Tegernseerhof. Dort ist die Reihenfolge schon bei einigen Besuchen dieselbe, auch wenn manche lieber mit den Veltlinern beginnen. Aber man muss Rebsorten ja nicht nach der ABC-Reihenfolge kosten!
Denn der Riesling „Ried Steinertal“ von Martin Mittelbach (kl. Bild rechts) erfrischt den Gaumen einfach, egal woran man vorher schon genippt hat beim Wachau-Trip. Und so macht er den Anfang. Dezenter Rauch, Melisse und ein cremig-frischer Duft, den man am ehesten mit Tarte au Citron beschreibt, prägen den 2025er Steinertal. Die straffe Säure am Gaumen bestätigt diesen Eindruck. Sie begleitet einen Mix aus weißen Erdbeeren – vor allem im Nachklang ist das die Dominante – und erneut Zitronenschalen. So kann das Verkosten beginnen!
Denn es geht mit dem 2025er Riesling „Kellerberg“ weiter, der gleich eine andere Note anschlägt. Hier sind es Tropenfrüchte, vor allem Ananas, die mit einer salzmineralischen Schlagseite an die Nase kommen. Die leichte Säure lässt bei den gelben Früchten auch an Kaktusfeigen denken. Überraschend ist daher die Frische, die sich am Gaumen zeigt – hier dürfen sich anfangs Zitronenschalen, diesmal eher kandierter Art, und Honigmelone austoben. Der jugendliche Gerbstoff passt zu diesem Ungestüm. Aber der „Kellerberg“ ist auch kein Wein für die Jugend.
Das zeigt dann der „Tropenfruchtsaft für Erwachsene“, den man mit in Loiben mit dem Kellerberg 2011 abgefüllt hat. Die letzten Flaschen dieses Rieslings prunken mit der Art von Petrol, die man getrost „sexy“ nennen kann, dazu kommt der Rauch-Ton geflämmter Zesten und eine fruchtsüße, aber auch schwerelose Art am Gaumen. Und vom Zauberjahr 2019 wollen wir jetzt gar nicht anfangen….
Denn schließlich gibt es auch unter den Veltlinern des Hauses einen Liebling. Der „Höhereck“ ist für uns immer der würzigste, was im Klartext heißt, dass er Kräuter in spürbarer Art und Weise mitbringt. Gneis im Boden und ein beständig kühler Wind aus dem Waldviertel liefern mögliche Erklärungen dafür. Und auch der Jahrgang 2025 liefert uns, was wir von einem Wein dieser Lage erwarten. Melisse, etwas Ampfer und Salbei sind die ersten Eindrücke. Dass man sie selten bei einem Grünen Veltliner notiert, zeigt die Besonderheit dieses Weißweins.
Stoffig und auch da ungewöhnlich, lässt der aktuelle Jahrgang viel Birne schmecken. Aber auch Kumquats und Ananas trinkprotokollieren wir. Die feine, fast versteckte Säure lässt den Fruchteindrücken Raum. Vor allem aber zeigt sie, dass dieser 2025 schon sehr ausbalanciert ins Glas kommt. Das unterstreicht auch ein Blick auf die Gerbstoff-Struktur. Denn der ist praktisch nicht vorhanden. „Höhereck“ bleibt eben auch diesmal auf einem „higher level“!
Bezugsquelle:
Tegernseerhof, Riesling „Steinertal“ 2025 Smaragd kostet EUR 38,-, der Riesling „Kellerberg“ 2024 Smaragd ist ebenso um EUR 38,- zu haben, Grüner Veltliner „Ried Höhereck“ Smaragd 2025 wird um EUR 39,- angeboten. Alle bei Kate+Kon im Webshop, www.kateandkon.com






