Im vergangenen Herbst erfolgte der Paukenschlag: Eine der bekanntesten Gin-Marken des Landes bekommt eine neue Heimstatt. Statt wie bisher eingemietet zu sein, sollte der Wien Gin der drei „Kesselbrüder“ ein permanentes Produkt von Hans Reisetbauer werden. Dass der Gin im Zeichen der Hauptstadt nun aus Oberösterreich kommt, war dabei überraschend. Die Kontinuität nach Jahren als „Kuckucksbrenner“ und die große Erfahrung stand aber eindeutig auf der Habenseite. Und dass Reisetbauer auch seine Akzente bei der Rezeptur setzten würde, schimmerte im Gespräch mit dem Axberger Brenner schon durch. Lose vereinbarten wir also, das erste neue Batch zu trinkprotokollieren. Sobald es eben in der Flasche wäre.
Nun ist es so weit und Hans Reisetbauer hielt Wort. Neben dem klassischen Wien Gin schickte er auch ein Muster unseres ewigen Lieblings aus dem Portfolio der „Kesselbrüder“. Der mit dem verschollenen Bild „Zwei Schwestern“ umhüllte „Klimt Gin“ hat nämlich ebenfalls eine Umarbeitung erfahren. Doch beginnen wir beim klassischen „Wien Gin“! Nun steht die „Reisetbauer Qualitätsbrand GmbH“ als Hersteller am Etikett mit der Belle Epoque-Etikette in Türkis.
Der neue und 42%-ige Gin fällt mit seinem fruchtigen Charakter auf, den die Nase erst einmal entschlüsseln muss. Ein Quäntchen Himbeere ist da zu riechen, aber auch rosa Grapefruit-Schale und eine fast brombeerige Intensität. Lässt man den Filler einmal weg, kommt der Gin-Charakter gut am Gaumen durch. Reisetbauer steht bei seinem eigenen „Blue Gin“ für Wacholder. Und auch hier wurde kein Sparkurs betrieben! Nach hinten hin geht der Brand schön auf. Aus einem enggeführten botanischen Bukett mit dem Wacholder als geschmacklicher Leitfigur wird eine leicht an Orange und Kumquat erinnernder Akkord.
Der Schluss gehört einem Gerbstoff, der gemeinsam mit den ätherischen Wacholder-Ölen den Geschmack lange hält. Und das braucht man schließlich auch Longdrink. Selbst süßere Tonic Waters können der Kraft des neuen Wien Gin wenig anhaben. Cheerio!
Frisch und mit einer Würze, die über den prägenden Aroma-Kern aus Wacholder hinausgeht, ist auch der „Klimt“. Das Lorbeer-Bitterl, das man riecht, wird von einem Anflug Liebstöckel und auch Schwarzem Pfeffer im Geruch begleitet. Angenehm viskos ist der rot verpackte Gin am Gaumen – auch hier kommt seine pfeffrig-würzige Ader schön durch. Der Alkohol stützt das und liefert beim puren Verkosten ein fast ätherisches Finale, in dem Kräuter wie Frauenmantel und Eibisch vor dem geistigen Auge erstehen.
Für den mixologischen Einsatz sei gesagt: Die herbe, fast Umami-artige Charakteristik versteht sich prächtig mit Säure – sei sie als Zitrusscheibe oder knackig-frisches Tonic präsent.
Mission erfüllt!
Bezugsquelle:
Reisetbauer Qualitätsbrand, „Wien Gin“ kostet EUR 43,90 in der 0,7 Liter-Flasche, die „Klimt Edition“ ist um EUR 49,90 erhätltlich, beide bei Interspar, www.interspar.at





