Weniger ist mehr. Das ist das Motto von „Bierix“ Erwin Zupancic, der an seinen wenigen Rezepten feilt. Das gilt etwa für das selbsterklärende „ZirbAle“, das man kärntnerisch („a Zirbale“) ebenso lesen kann wie britisch. Das mit Zirben aromatisierte Bier zählt zu den besten Kreativbieren des Landes. Die aktuelle Füllung kam uns noch „waldiger“, während das „Lemon Rose & Mary“ noch spritziger ins Kostglas kam. Letzteres ist eine Zusammenarbeit mit den ungleich bekannteren Brauern aus Kötschach-Mauthen von Loncium.
Dieses zu Spitzenzeiten der Craft Beer-Bewegung so beliebte gemeinsame Brauern nennt sich Collaboration Brew. Und Zupancic hat auch sein neuestes Bier mit einem Kollegen eingebraut. Gewissermaßen ist es ein Schritt zurück zu den Anfängen des Bierix. Denn Uli Bacher mit seiner Shilling-Brauerei war als Radentheiner Nachbar ein Mentor in Sachen Bier-Begeisterung. Gemeinsam mit dem Pionier aus der „Gartenrast“ hat er sich zu einem Barley Wine entschieden. Ezzes für das obergärige Starkbier (8,9% vol) gab auch Steven Gibbs von der englischen „Durham Brewery“. Man dürfte sich vor allem beim Hopfen ausgetauscht haben, denn neben Golding, Saazer, Target und Columbus ist auch Bobek im Spiel. Letzterer stammt wie der Golding ursprünglich aus der slowenischen Region Žalec.
Damit werden traditionelle Hopfenarten bzw. solche mit hohem Bitterwert eingesetzt und mit ordentlich viel Malz kombiniert. Optisch ist das Ergebnis schon einmal ein Bier-Leckerbissen im Glas: Der solide Schaum krönt ein dunkles Bernstein, die leichte Trübung passt da ins Bild. In der Nase ist das satte Karamell eines sehr malzigen Bieres erkennbar, Datteln unterstreichen diese süße Prägung mit ihrem intensiven Duft. Doch zum Dörrobst kommt auch ein Touch Honig. Die Erwartungen an den Barley Wine mit seinen knapp 9% vol Alkohol gehen also in Richtung vollmundiger Süße. Doch die beiden Kärntner Brau-Füchse haben anderes im Sinn.
Am Gaumen wird es nämlich überraschend herb. Und das von Beginn weg. Statt Süße und wärmendem Alkohol schmeckt man viel Nuss – Pekan und geriebene Walnuss – und die Würze setzt sich auch fort. Wie lange gekautes Schwarzbrot wirkt der Barley Wine dann. Denn der Malzkörper geht in Kakao-bittere Noten über. Auch im Rückaroma wird es animierend bitter, hier ist dann deutlich auch der Hopfen erkennbar. Feine Schnittkräuter bilden den Nachhall dieses intensiven, aber erfreulich un-süßen Collaboration Brews.
Bezugsquelle:
Bierix X Shilling, „Barley Wine“ ist um EUR 3,05 (0,33 Liter-Flasche im 24er Karton) erhältlich, am besten per Mail-Order, www.bierix.at





