Wie lang es her war, wussten wir gar nicht mehr genau. Doch Michael Neureiter half uns schnell auf die Sprünge: Vor 12 Jahren verkosteten wir Österreichs alkoholfreie Biere und auch die 2014 erhältlichen „Leichtbiere“. Und Mike Neureiter erinnerte sich wie wir an den Tag im Hof des Alten AKH zu Wien. Denn als Nicht-Fisch-nicht-Fleisch lehnten die meisten damals „Bier light“ ab. Doch die Zeiten ändern sich und das nicht nur bei der Berufsbezeichnung unseres Mitkosters. Heute ist Neureiter Leiter des Category Management in Sachen Bier bei der Billa AG. Und er sieht es ungern, dass Brauer immer weniger verkaufen. Daher ist die Zeit reif für eine erneute Offensive in Sachen Leichtbier.
Zehn Stück standen im Kostraum in Simmering bei Del Fabro Kolarik bereit. Darunter ein 25 Jahre auf dem Markt befindliches Freistädter, das mit 3,9% vol aus der Definition eines Leichtbiers knapp draußen ist. Aber das Lager würde man jeden Tag wieder trinken, wenn man denn in OÖ daheim wäre. Dort ist das Thema durchaus angekommen, wie das „Leichtsinn“ von Schloss Eggenberg ebenfalls unterstreicht. Man merkt die Pils-Expertise der Familie Stöhr, die auch hier in einem hopfen-satten Bier mit 2,9% mündete. Doch all das gehört in die Sparte „Vergleichsproben“. Denn die aktuelle Leichtbier-Offensive im Supermarkt bestreiten die Bundesländer Salzburg (Stiegl), Kärtnten (Hirter) und Wien (Ottakringer).
Lustiger Weise haben wir Trinkprotokollanten schon einen kleinen Vorsprung, denn das „Hello“ aus Hirt steht ja schon länger säuberlich beschrieben hier. Es ist eines der drei Protagonisten und zwar der mit dem vergleichsweise höchsten Alkohol, nämlich 3,8% vol. Womit wir in Sachen Kostnotizen gleich die anderen beiden unter die Lupe nehmen: Das seine schwache Stärke gleich im Namen tragende „2,9%“ aus Ottakring macht den Anfang. Weißgolden und mit großporigem, weißen Schaum kommt das neue Ottakringer ins Glas. Der bierigen Optik entspricht eine markante Würze. Doch neben dem Getreide ist auch eine feine Säure und Frucht- wir nannten sie „Bergamotten-Schale“ – vorhanden. Man merkt, das sich Braumeister Tobias Frank sehr bemüht hat, ein Vorurteil gegen leichtes Bier gar nicht aufkommen zu lassen. Denn im Antrunk schon zeigt sich die leichte Malzsüße, aber auch spelziges Getreide, das für einen soliden Körper sorgt. Wassrig ist da gar nichts! Ein Alzerl Bisquit ist im Mittelteil zu schmecken, doch keine Angst, das Biergewürz hat schon noch seinen Auftritt. Der Nachklang wird von einem Hopfen-herben Akkord gegeben. Erstaunlich „bierig“ und das bei 2,9% – sehr gelungen!
Farblich steht dem das mit 3,5% vol eingebraute Stiegl „Leicht“ um nichts nach. Auch hier ist es ein weißgoldener Eindruck, der Schaum zeigt gute Haftung („Cling“, wie die Profis sagen). Der Hopfen ist hier so ausgeprägt, dass er bisweilen an gekochten Grünspargel erinnert. Das ist gewollt, das zeigt der kantige Typus, der praktisch schon zu drei Viertel ein echtes Pils darstellt, auch am Gaumen. Die Bitternoten sind auch im Nachtrunk noch sehr präsent, dabei zischt das „Leicht“ schön über den Gaumen. Das Trinkanimo ist also ausgeprägt, man sollte nur kein klassischer „Märzen“-Freund sein. Denn hier hat man mit Hopfen nicht gespart, was uns persönlich ja freut.
Anders gesagt: Alle drei Abfüllungen zeigen, dass Charakter und „Bierigkeit“ keine Frage des Alkohols ist. Dass sie sich zudem deutlich unterscheiden, war gewollt, unterstreicht Mike Neureiter. Es macht auch wenig Sinne, wenn drei Biere gleichen Typus von drei Marken im Billa-Regal warten. So ist das sanfte Hirter ein Kontrapunkt zum Hopfen-satten Stiegl und das vermeintlich so leichte Ottakringer liefert den Freunden des Malzes alles, was sie wollen – nur mit weniger Umdrehungen. Womit man ja „auch eines mehr trinken kann“, wie Mike Neureiter listig anmerkte. Und da widersprechen wir ungern.
Bezugsquellen:
Ottakringer, „2,9%“ ist um EUR 1,25 (0,5 Liter-Flasche) erhältlich;
Stiegl, „Leicht“ kostet EUR 1,45 (0,5 Liter-Flasche) – beide in den BILLA-Filialen oder via Webshop, www.billa.at






