101 proof – ein Signal für Kante in Sachen Whiskey – steht auf der Flasche mit dem großen „P“. Mike Paladini benannte seine Marke nach seiner Tochter Penelope. Die darf als Jahrgang 2018 zwar noch immer keinen Whiskey trinken, doch wir springen da gerne ein. Zumal es mit dem „Cigar Sessions: Chapter 01“ eine Neuheit gibt, die nicht so sehr wegen ihrer angeblichen Zigarren-Begleiteigenschaft fasziniert. Denn für diesen Whiskey hat man sich ähnlich wie die Zigarrenroller eines Drei-Satzes bedient. Statt Filler, Binder und Wrapper wie in der Welt der Handgerollten kam hier Bourbon, US-Single Malt und eine besondere Charge namens „American Light Whiskey“ zum Einsatz.
Diese Kategorie war de facto tot, seit man sie in den 1960er Jahren als Rettungsanker für die Bourbon– und Rye-Erzeuger zuließ. Der Whiskey wird deutlich höher (80-95% vol) destilliert, was ihn in die Nähe der damals beliebten kanadischen Whiskys und des noch mehr in den „Sixties“ durchgestarteten Wodkas rückt. Weder das Getreide, noch die Fass-Art ist vorgeschrieben. Wodurch beim „Light Whiskey“ auch gebrauchte Fässer aus der Bourbon-Produktion zulässig sind – der MUSS ja stets in neue US-Eichenfässer gefüllt werden. Es waren neu gegründete Marken, die diesen Stil im letzten Jahrzehnt wieder ausgruben, zumal Penelope ja auf die Whiskey-Bestände des Giganten „Ross & Squibb“ in Lawrenceburg (Indiana) zurückgreift. Whiskey-Fans kennen diese Destillerie aber immer noch beim alten Namen „MGP“.
Und dort finden sich mittlerweile auch für US-Verhältnisse uralte – 11 bis 20 Jahre gereifte – „Light Whiskeys“. Sie bestehen zu 99% aus Mais-Maische, was angesichts der langen Reifung aber nichts mit den eher berüchtigten „Corn Whiskeys“ zu tun hat. Im im Cigar Blend ist dieser rare Typus auch nur einer der drei Teile. Doch unbestreitbar ist der mit besagten 50,5% vol (alias „101 proof“) gefüllte Whiskey anders als Bourbon und Rye. Sehr überraschend ist die Kokos-Schokolade-Note im Duft. Erst dahinter zeigen sich Sägespäne und Filterkaffee als elegante (!) Akkorde einer langen Fass-Reifung. Auch am Gaumen ist das eine Geschichte abseits des Üblichen. Die erwartbare Süße – auch zur Zigarre nie schlecht! – stellt sich nämlich trotz der aberwitzigen Kokos-Nase gar nicht ein.
Dafür wirkt der Penelope erstaunlich leichtfüßig. So irreführend der Name „Light Whiskey“ ist, in diesem Moment versteht man seine Aufgabe in dieser Flasche. Den Roggen-Touch bringt dann der Bourbon-Anteil ein, die typische Holzleim-Note und die säuerliche Note ist aber nur der Auftakt zu einem schokoladigen, zart bitteren letzten Drittel. Hier überrascht der „Cigar Sessions: Chapter 01“ dann erneut. Denn mit einem leichten Rauch-Ton klingt der „Chocolate Chip-Cookie“-Geschmack aus.
Und weil wir es immer gerne wissen wollen, wenn über 50% vol am Flascherl steht, kommt zum Vergleich auch ein bisserl Wasser in den Tumbler. Dann werden die sanfteren Töne angeschlagen: Haselnusscreme statt Bitterschokolade gefiel uns aber auch. Vor allem aber freut es die Trinkprotokollanten, wenn aus der so lebendigen US-Szene wieder einmal Neues über den Großen Teich kommt. Allen Zoll-Drohungen und Planungswidrigkeiten für US-Brenner zum Trotz! Denn ansonsten bekommen wir so gut wie gar nichts von „American Single Malt“ oder dem „American Light Whiskey“ mit.
Bezugsquelle:
Penelope Bourbon, Cigar Blend 2025 („Chapter 1“) ist um EUR 85,- direkt beim Importeur im Perola-Webshop erhältlich, www.perola-shop.de




