Sie müssen Menschen beißen und Bourbon trinken. So will es das Skript, das die Story der Brüder Damon und Stefan Salvatore in der Serie „The Vampire Diaries“ erzählt. Das gemeinsame Buhlen um die geliebte Elena ist ebenso Fiktion. Dass sich zwischen den Schauspielern Ian Somerhalder und Paul Wesley aber eine echte Freundschaft einstellt, passiert im richtigen Leben. Und dort mögen auch beide ihr Glas Whiskey. Womit sich etwas entwickelt hat, was man in Hollywood „Life imitating Art“ nennt. Denn unter der Marke Brother’s Bond macht man heute tatsächlich Whiskey. Wenn auch ohne eigene Brennerei, aber mit ziemlichem Anspruch und Detailverliebtheit.
Das Schöne am Einstieg in die Range von Brother’s Bond ist die Kenntlichkeit. Die zugängliche und „weiche“ Nase des „Straight Bourbon Whiskey“ zeigt auch nach vier Jahren Fasslagerung ein Detail der „mash bill“. Denn dieser Duft gehört zu einem Whiskey, der relativ viel Weizen in der Maische gesehen hat. Technisch sind es 13 Prozent, doch das reicht, um die anderen drei Getreide mit einem soften Anstrich zu versehen. Zugänglichkeit oder „softness“, wie es die Gründer nennen, regiert auch am Gaumen. Die Süße eines klassischen Bourbons bringt Babymais-Körner und einen Touch Honig mit. Dass hier Würze und Kanten fehlen, erklärt sich aber aus dem zweiten Whiskey.
Denn Sommerhalder und Wesley wollen ihre Abfüllungen deutlich voneinander absetzen. Deshalb gibt es auch zwei Brennereien, die ihnen zuliefern, eine in Indiana (der Gigant MGP), die andere in North Carolina (Southern Distilling Company). Dennoch kann man auch Gemeinsamkeiten erkennen. Die niedrige „proof“-Zahl, also der Alkoholgehalt, mit dem man ins Fass geht, gehört dazu. Es sind nur 60% vol. Und entsprechend wenig muss man am Ende der Lagerzeit auch mit Wasser auf Trinkstärke bringen. In diesem Fall beließ man es bei 47,5% vol.
Wer aber mehr Kante will, greift im Portfolio zum „American Blended Rye“. Er zeigt das herrliche Klebstoff-Stinkerl eines wahren Roggenwhiskeys. Steinobst folgt auf dem Fuß in der Aroma-Palette, dazu auch wieder ein softer Zug, der an Waldhonig erinnert. Doch keine Angst! Mit besagtem Alkoholgehalt ist das ein wärmender „Rye“, der auch die typischen Schokolade-Noten im Geschmack nicht vermissen lässt. Auch hier hat man sich auf eine zugängliche Handschrift verlassen. Nichts brennt nach oder eckt mit einem „zwickenden“ Alkohol im Finale. Ein Wenig Piment und Muskat-Abrieb, Pfeffer auch, würzen den Nachgang. Das reicht aber.
Denn man will ja noch eine Steigerung liefern. Sie nennt sich „Bottled in Bond“ und schließt damit an die erste US-amerikanische Qualitätsvorschrift an. 1897 legte der „Bottled in Bond“-Act fest, dass Whiskey mit dieser Bezeichnung in staatlichen Zoll-Lagern reifen muss. Zugang gibt es nur gemeinsam durch Destillateur und Beamte. Dazu müssen es am Ende 50% vol sein, mit denen abgefüllt wird und mindestens vier Jahre Lagerzeit. Das haben die beiden Whiskey-Neulinge locker getoppt. Denn der hochwertigste „Brother’s Bond reift satte sieben Jahre. Zudem hat man sich zu der angeblich höchsten Roggen-Konzentration (49%!) in einem solchen Whiskey entschlossen. Das Ergebnis riecht wie dunkle Schoko-Kuvertüre, auch die „Choco Pops“ vom Frühstückstisch darf man als Analogie zum Duft bemühen.
Dieser Bourbon ist schon in der Nase beachtlich, um nicht das profanere „geil“ zu verwenden. Tief dunkel ist alles an diesem Duft, der zwischen Plantagenschokolade und Zigarrenkiste wechselt. Geschmacklich überrascht er zunächst mit einer sehr cremigen Struktur, die man bei einem 50%er nicht direkt erwartet hätte. Erstaunlich zugänglich ist dieser Whiskey, der wie eine Nuss-Ecke mit getunkten Schoko-Ecken schmeckt. Erst allmählich entfaltet sich die Power dieser Alkohol-Gradation. Etwas Gewürznelke und mehr noch die als „baking spices“ bekannte Mischung aus Anissaat, Piment und Vanille schlägt hier voll ein. Durch die Kraft der 50% vol. löscht dieser Whiskey aber bei jedem Schluck die Tafel – und gibt Raum für neue Eindrücke. Hätten Somerhalder/Wesley nur diesen einen Whiskey gefüllt, wäre ihnen schon Großes gelungen. Denn dieser 7-Jährige kann in der Tat etwas – und man muss dazu nicht mal ein deklarierter Bourbon-Trinker sein. Guter Whiskey erklärt sich von selbst.
Bezugsquellen:
Brother’s Bond, „Straight Bourbon Whiskey“ kostet EUR 49,90 (0,7 Liter-Flasche), der „American Blended Rye“ ist um EUR 64,90 zu haben und der „Bottled in Bond“ um EUR 74,90 – alle im Online-Store von Weisshaus, www.weisshaus.at






