Es war ein aufschlussreicher Besuch am Rosenhügel in Langenlois bei der „Tour de Vin“ der Traditionsweingüter. Denn vor dem großen Ansturm nahmen sich zwei Generationen Hiedler Zeit fürs Verkosten. Und während wir uns übers Wiedersehen mit Ludwig Hiedler nach längerer Zeit freuten, hatten die Söhne Dietmar und Ludwig jun Spannendes am Start. Vor allem lehrten sie uns den Begriff „transparentes Holz“. Der macht schon Sinn, auch wenn Spaßbremsen das als „Oxymoron“ bezeichnen würden.
Was Ludwig Hiedler der Jüngere damit meint, zeigte er beim Veltliner aus der Riede Käferberg. Uralte Stöcke werden erst seit kurzem extra für diese Füllung herangezogen. 2023 ist der vierte Jahrgang, „davor kam das Traubenmaterial in unseren Veltliner „Maximus““, so der Winzer. Die Entscheidung war goldrichtig, denn der Duft liefert zuerst Rauch, wie ihn alte Reben aus dem Gestein mitbringen. Dazu kommt ein ausgeprägte, aber sehr unkonventionelle Frucht-Nase. Wir notierten Lychee und Vanillekipferl, wobei letzteres auf die Frage nach dem Fass-Einsatz führte.
In der Tat greifen die Hiedlers zu 500 Liter-Fässern („Tonneaux“) aus der Loire. „Das hat uns beim Chenin Blanc dort sehr gut gefallen“, erläutert man den Mix aus erster, zweiter und dritter Befüllung dieser Fässer. Im Geschmack hebt das die sehr saftige Honigmelone, die von stützender Säure begleitet wird. Holz, das transparent wirkt und den Rest des Geschmacks kenntlich macht – so versteht man das.
Denn hier findet sich weder Apfel noch Zitruszeste. Bei diesem Grünen Veltliner denken wir eher an Himbeeren. Was den unorthodoxen, aber überaus lässigen Typus dieses Weines unterstreicht. Ausgespielt hat der „Käferberg“ damit noch nicht. Es folgt ein mundwässerndes Finale, das lang und leicht salzig wirkt. Ganz hinten schmeckt man dann auch ein wenig Kurkuma. Ein toller Wein, der sich nicht um Sortentypizität schert, sondern ein großer Schluck für Hedonisten ist.
Das verbindet ihn mit einem Wein, dem wir uns gut und gerne eine Stunde mit Vater Hiedler auf der sonnigen Terrasse widmeten. Denn es ist ein Weißer, den wir seit Jahren lieben. Und der schon in seinem Namen zeigt, dass er sich dem Zeitgeist nicht beugen mag. „Toasted & Unfiltered“ stammt aus dem Lesegut zweier Toplagen (Thal und Kittmannsberg) und es ist kein Fauxpas, ihn als wuchtigen Weißwein alter Schule zu bezeichnen. Und das mit der Schule darf man wörtlich nehmen. Ludwig Hiedler fungierte durchaus als Vorbild nördlich der Donau, wenn es darum ging, keine primärfruchtigen und spritzigen Weine zu erzeugen.
Challenge: Barockes in die Gegenwart holen
Das mag der „Gen Z“ nicht schmecken, aber es ist auch Hiedler selbst, der das Wort von „weniger Barock“ anspricht. Dennoch soll es auch 2026 stoffige Weine für die Fans geben, ist die Überzeugung. Was nicht leicht zu schaffen ist, aber einen spannenden Vergleich im Glas ermöglicht; die Arbeit am neuen Stil ist im Gange – und wir schauen ihr zu. Oder besser: kosten sie nach!
Der modernere Weine kommt zweifellos aus dem Jahrgang 2023. Er ist jünger, schlanker und passt nicht so ganz zu seinem Namen. Die Diskussion darüber (umbenennen? Stil beibehalten?) führen die Söhne Ludwig und Dietmar mit ihrem Vater weiter. Uns interessiert aber der Duft dieses „Toasted & Unfiltered“. Denn die Vanille ist schwach in ihm (würde Meister Yoda in „Star Wars“ den Wein beschreiben). Dafür hat er Grapefruit-Zesten zu bieten; für uns ein Novum im „T&U“. Der Rauch als feines Element des Duftbilds ergänzt die Leichtigkeit der Zitrusdüfte. Auch im Mund ist es eine zarte Zitrusnote, die auffällt. An opulenteren Eindrücken findet sich braune Butter, die für den Schmelz sorgt. Viel Würze bringt der 2023er ein, dazu auch erneut geflämmte Zitruszesten. Der Nachhall des jungen Chardonnays gehört dann wieder den Gewürzen, etwa Piment, aber auch Vanille.
Ganz anders steht daneben der 2022er. Das stellen wir schnell fest. Ludwig Hiedler lächelt dazu, das die Grübchen nur so blitzen und lässt den Gast sein Trinkprotokoll verfassen. Fett und kräftig – das sind die ersten Worte, die einem bei diesem Wein in den Sinn kommen. Vanille und flüssige Butter ergeben einen Eindruck, als hätte jemand von einem Nachspeisen-Teller nur das Germknödel weggenommen. Dabei hat dieser „Toasted & Unfiltered“ durchaus auch salzige Komponenten für die Nase parat. Man denkt an Käse-Blätterteig-Gebäck bei diesem würzigen Zug.
Was im Duft noch als Kontrast daherkommt, wirkt am Gaumen als Spannung zweier Elemente dieses 2022ers: Kaktusfeige steht als Frucht für den überraschend kühlen und keinesfalls wuchtigen Part; parallel tritt die würzige Seite in Aktion. Fast verspielt wirkt dieser Wein am Gaumen. Und angesichts dieses aktuell herrlich anzutrinkenden Chardonnays stellt sich die Frage, was nach „Barock“ kommen mag? Für uns wäre dieser „Toasted & Unfiltered“ nämlich ein Jugendstil-Wein – klare Linien und wunderschön anzusehen. Noch besser allerdings zu trinken!
Bezugsquelle:
Weingut Hiedler, Grüner Veltliner „Ried Käferberg“ 2023 ist um EUR 33,- erhältlich, der „Toasted & Unfiltered“ kostet EUR 44,- (vom Jahrgang 2022 sind noch Restflaschen ab Hof erhältlich), beide im Webshop, https://hiedler.at






