„Wer zu uns kommt, weiß schon im Vorhinein genau, was er bestellen wird“. Was Michael Kolarik-Leingartner vom Wiener Schweizerhaus letztens zu Protokoll gab, unterstreicht den Stellenwert der Institution. Stelzen, Grillhendl, Erdäpfelpuffer und Bier sind die vier Säulen, auf denen seit mittlerweile 107 Saisonen das Schweizerhaus ruht. Dass es bei 750 Sitzplätzen innen und 1.400 Plätzen im Garten auch beim Gebrautem um Superlative geht, unterstrich aber eine andere Zahl.
100 Jahre rinnt aus den Zapfhähnen dieselbe Biermarke. Budweiser entdeckten Vater und Sohn Kolarik Anno 1926 auf ihrem Weg zur Landwirtschaftsmesse in Tschechien. „Beide konsumierten ordentlich“, erzählte Karl Jan Kolarik die Ursprungslegende, wie er sie von seinem Vater kennt. Der Vater wollte kein schlechtes Vorbild sein, der Sohn nicht als Trinker dastehen und so zahlten beide heimlich einige Biere, damit sie nicht am gemeinsamen „Deckel“ aufschienen. Erst am nächsten Tag beichteten sich Vater und Sohn die eigentliche Anzahl. „Ich habe überhaupt kein Kopfweh!“, lautete aber die gemeinsame Erkenntnis. Und da so die Bekömmlichkeit dieses Bieres bewiesen war, erkundigte man sich nach der Brauerei. Es war Budweiser Budvar. Womit es seither im Prater aus den Zapfhähnen fließt.
Eine „echte Ausnahme in einer Welt voller Veränderung“ nannte Jaroslav Brom angesichts des Jubiläums die Zusammenarbeit aus Sicht von „Budweiser Budvar“. Und die führte auch zu einem raren Jubiläumsbier. Es wird wie das originale böhmische Lager gebraut, nur hat man frischen Hopfen im September 2025 zugefügt anstelle der üblichen getrockneten Dolden. „Der Junghopfen hat viel mehr ätherische Öle“, brachte der zweimalige Biersommelier-Staatsmeister Michael Kolarik-Leingartner den Hauptunterschied auf den Punkt. Eine lange Klärung im Lagertank gibt zusätzlich Körper, da man durch die lange Reifung nicht filtrieren musste.
Was wir trinkprotokollierten bei der Premiere des in 0,75 Liter-Flaschen erhältlichen Budweisers, erstaunte. Denn der Unterschied zur klassischen Version ist markant. Schon der satte Bernstein-Ton im „Bunkerl“-Krügel, dem geschützten Schweizerhaus-Glas, wirkt etwas dunkler. Das mag noch Täuschung sein, doch die Hopfenblume zeigt ein anderes Duftbild. Weniger helles Karamell und spelziges Getreide ist zu riechen, der leichte Nussbutter-Ton wird von kräutrigen Obertönen begleitet.
Wer noch an der anderen, intensiveren Hopfung zweifelt, ist spätestens beim ersten Schluck überzeugt. Der Antrunk zeigt bereits Bitter-Töne, die an Orangenschale erinnern, ehe sich das Lager fast wie gewohnt trinkt. Der helle Getreide-Kern am mittleren Gaumen ist satt und trinkanimierend. Doch es ist das letzte Drittel des Biergenusses, der den größten Unterschied bringt. Fast pikant wirkt der Hopfen hier. Man denkt an Grüne Paprika und während man noch nachsinniert, setzt auch spät und angenehm die Bittere ein.
Für alle, denen das Budweiser zu malz-betont war (hey, ihr Pils-Trinker!), ist das eine herrliche Alternative! Ausgeschenkt wird das mit Saazer Frischhopfen gebraute „Jubiläumsbier“ in der Woche von 13. bis 19. April 2026. Doch es gibt die Großflasche auch zu kaufen. „Schweizerhaus außer Haus“ nennt man das bei den Kolariks. Ein Sammlerstück ist diese Flasche unbestritten, vor allem aber beinhaltet sie ein wunderbares Bier und ein unkonventionelles Budweiser zugleich.
Bezugsquelle:
Budweiser Budvar, Jubiläumsbier „Schweizerhaus“ (0,75 Liter-Flasche) ist um EUR 8,90 direkt im Schweizerhaus erhältlich, so lange der Vorrat reicht, www.schweizerhaus.at






