Die erstaunliche Geschichte des irischen Whiskeys nach dem Zweiten Weltkrieg wurde schon oft erzählt. Aus dem einstmals größten Erzeuger von Malts wurde nach Unabhängigkeit und Prohibition ein Land, in dem es zum Tiefpunkt nur mehr zwei Brennereien (Midleton und Bushmills) gab. John Teeling war es vorbehalten, 1987 eine Entwicklung einzuleiten, die später in einem wahren Boom an Brennereien führen sollte. Doch am Anfang stand die Cooley Distillery. Damit war auch der Appetit der Familie geweckt, die Neugründung im alten Dubliner Grätzel „Liberties” war dann einer neuen Generation vorbehalten. 2015 startete die Teeling Distillery, was sie mittlerweile zu einer der ältesten der jüngeren Whiskey-Szene macht.
Das zehnjährige Jubiläum beging das Team um Jack Teeling mit einer eigenen Abfüllung. Für Freunde des Irish Whiskey ist aber eine weitere Neuerscheinung von Interesse. Denn auch die auf fünf Abfüllungen angelegte Serie „Rising Reserve“ erhielt einen Neuzugang. Der 21-jährige Single Malt stammt zwar nicht aus Dublins Brennblasen, wie man leicht errechnen kann. Aber der alte Bestand wurde so gereift, wie man das bei Teeling gerne wollte. In diesem Fall hat die „Rising Reserve No. 4“ ihre ersten 18 Jahre in ehemaligen Bourbonfässern verbracht. Das nachfolgende Finish währte unüblich lange, nämlich drei weitere Jahre.
Welche Weißweinfässer es genau waren, verrät man in der Brennerei nicht, aber die doppelte Reifung gab den nur 6.000 aufgelegten Flaschen ein ganz eigenes Gepräge. Davon überzeugten wir uns bei der Verkostung dieser irischen Rarität. Denn schon die Nase weist den „21 years“ als ungewöhnlich aus. Denn die leicht säuerliche und deutliche würzige Art kennt der englischsprachige Verkoster als „briney“. Die deutsche Übersetzung führt ein wenig in die Irre, da sie eher abtörnt: „wie Einlege-Flüssigkeit“. Perlzwiebel und Essiggurken haben diesen Duft nach Senfsaat und Essig nämlich auch. Für einen Whiskey ist das aber ein Geruch, der neugierig macht. Denn wir bewegen uns damit jenseits von banaler Malzigkeit und (dezenter!) Süße.
Zusätzlich hat auch das Weißwein-Fass seine Spuren hinterlassen. Denn wir finden helle Fruchtnoten der Neigungsgruppe Zitrus. Namentlich an Zitronenmelisse und Mispel denkt man bei der ersten Nase. Die weiche, irische Machart eines dreifach destillierten Whiskeys signalisiert dann der Anflug von Weichkaramellen („Stollwerck“). Und die Nase trog auch nicht. Sehr leichtfüßig, um nicht zu sagen: fröhlich, kommt der immerhin 46% vol kräftige Teeling auf den Gaumen.
Er hat dabei auch eine fast tropische Note, die an sonnige Tage und reife, aber nicht süße Früchte denken lässt. Eine getrocknete Ananas-Scheibe etwa trinkprotokollieren wir da. Wer ab und an Zitronenkuchen nascht, wird die Kombination aus leichter Karamell-Tönung und frischer Frucht, der die Säure-Spitze ebenso fehlt wie Süße, kennen. Diese Balance unterstützt auch die Füllstärke des Iren. Dank der 46 Prozent wird er nämlich nie plakativ fruchtig. Die würzigen Töne aus dem Duftbild kehren dann im Ausklang wieder. Leder, Senfsaat und gemahlener Bockshornklee-Samen liefern ein langes Finish, das wie der Sonnenuntergang der nach dem zitrisch-tropischen Strahlen wirkt.
Bezugsquelle:
Teeling Whiskey, „Rising Reserve No. 4” (21 years) ist um EUR 199,95 bei Topdrinks erhältlich, www.topdrinks.at




