Als besonderes Schmankerl hatte der Marchese zu der Ornellaia-Vertikale (hier geht’s zu Teil 1!) bei Konstantin Filippou auch eine Magnum des Jahrgangs 1993 mitgebracht. „Damals war noch eine Landkarte auf jeder Flasche“, erinnerte Lamberto Frescobaldi an die Zeiten unter Weingut-Gründer Lodovico Antinori. „Es hat 30 Jahre gedauert, bis das niemand mehr „Maremma“ nennt sondern „Bolgheri“, nahm er die rare Flasche zum Anlass, über das Gebiet und das Werden des Kultweines zu sinnieren. Im Unterschied zu den aktuelleren Blends gab es damals keinen Petit Verdot, dafür aber den höchsten Anteil der beiden Cabernets – 83%. Das merkt man auch 33 Jahre nach der Ernte noch.
Extrem würzig kommt Thymian in die Nase, dezente dunkle Beeren haben es dagegen schwer. Heidelbeere trinkprotokollieren wir, aber auch Brombeere mitsamt Blatt. Denn auch ätherisches Grün, ein wenig Minze gar, mengt sich in die erste Nase. Es braucht, bis der Cabernet dann vollends sein Odeur entfaltet. Am Gaumen ist dieser Ornellaia immer noch röstig wie frischer Mokka, etwas Pastinake bringt erdige Würze ein. Dahinter findet sich Rote Rübe, zum Püree zerkocht, aber kaum Frucht. Der „rot“ konnotierte Druck ist aber hoch und er bringt im Finale auch Eindrücke von Maulbeere und Brombeere zum Vorschein, dunkler noch durch ein Quäntchen Enzian.
In der Zeitreise folgt auf diesen noch als „vino da tavola“ klassifizierten Ornellaia der 2004er, ein „Bolgheri DOC Superiore Rosso“. Winemaker Marco Balsimelli erinnert der „klassische und kühle Anklang an Bordeaux“. Die Würze jedenfalls steht deutlich über der Frucht bei diesem Wein. Lorbeer und Graphit riechen wir, dazu auch Tomatenblatt. „Der Wein wurde nur leicht gefiltert“, erinnert sich der Marchese an diesen Jahrgang. Der dunkle Beerenduft zeigt die Richtung an, die der 2004er einschlagen wird: Heidelbeere pur, lang und fruchtig, zeigt den Jahrgang ans Kind seiner Zeit. Kräftig musste alles sein – und der Ornellaia muss das in seiner Jugend klar abgeliefert haben.
Mittlerweile sind die Beeren so dunkel im Geschmack, dass sie fast an Zwetschke erinnern. Dunkle Schokolade und immer noch viel Druck im ersten Drittel machen den Ornellaia aus dem „Bilderbuch“-Jahrgang. „Bei diesem Weinen musst Du das Fleisch erhalten“, formuliert es Lamberto Frescobaldi. Eine elegante Art, um zu sagen, dass die Weine der „Parker-Ära“ heute nicht immer restlos überzeugen.
Anders gelagert war hingegen der „L’Eleganza“, wie man den Ornellaia 2013 betitelt hat. Es ist ein Jahr mit hohem Merlot-Anteil (38%), was dem Regen und der Kälte während der Blüte geschuldet ist. Es gab generell weniger von diesem Wein, aber auch weniger idealen Cabernet. „Etwas grüner“ war dieser Jahrgang, formuliert es der Marchese, der ein Freund weniger, aber sehr präziser Worte ist. Und doch. Rauchig und dunkel ist dieser Wein im Duft; Kakao trifft auf kalten Espresso!
Zwei Pluspunkte zeigt dieser Wein, der fast floral wirkt mit seinem Veilchen-Sorbet, das er zu Beginn serviert. Die deutlich jugendliche Gerbstoff-Struktur braucht Luft, um einen interessanten Wandel durchzumachen. Plötzlich ist da aus dem Nichts die Ribisl-Intensität einer „Linzer Torte“, Frische und Säure setzen dem massiven Körper dieses Merlot-Jahres einiges entgegen.
„Volle Würze voraus!“ heißt es dann beim 2009er. Er trägt den Beinamen „L’Equilibrio“ und ist bereits olfaktorisch vom Cabernet Franc getrieben. Schwarze Olive und Piment d’Espelette werden zu den Kopfnoten einer tiefen Kirschfrucht. Paprika edelsüß als erster Geschmackseindruck überrascht da nicht mehr. Kaum merkliche Frucht (abgesehen von ein wenig Roter Johannisbeere) kommt auf den Gaumen. Doch aktuell kann man bei diesem Ornellaia den Übergang von der ersten Phase in eine neue Ebene richtiggehend schmecken. Die Textur ist bereits seidig, die beiden Cabernets funkeln um die Wette. Mal ist da würziger Fleisch-Saft, dann wieder würzig kühles Lorbeerblatt. Und bei jedem Riechen denkt man: „Das will ich kosten“. Zum Glück konnten wir das auch. Denn der 2009 ist ein großes Fest für alle Freunde des Cabernets. Und das wird noch Jahre so bleiben!
Bezugsquelle:
Ornellaia, naturgemäß kaum mehr erhältlich, gab es Restflaschen des Ornellaia Bolgheri DOC Superiore 2004 um EUR 401,- sowie des Jahrgangs 2009 um EUR 538,-, beide bei Hubert Fohringer, www.fohringer.at








