Man darf da nicht herumreden. Wir sitzen im Wiener Barfly’s zwischen drei Flaschen von einer Lieblingsbrennerei. Doch das neue Design von Highland Park ist noch gewöhnungsbedürftig. „Der Sprung von einem schwarzen auf ein weißes Label war beträchtlich“, tröstet uns Martin Markvardsen. Der aus Dänemark stammende Markenbotschafter der Brennerei auf den Orkney-Inseln steht für über 20 Jahre für die Single Malts aus Kirkwall. Seine eindrucksvolle Physis und die nach Göttern aus der „Edda“ und Wikingern benannten Whiskys gehörten seit 2017 zusammen. Doch im Vorjahr erfolgte die Kehrtwendung. Die glockenförmige Flasche blieb, die Wikinger (siehe z. B. hier unser „Wotan“-Trinkprotokoll) sind Geschichte.
Dafür kommt alle zwei Jahre eine neue Reihe in Fass-Stärke auf den Markt, wie Markvardsen erzählt. Sie trägt immer jenen Begriff, der sie besonders macht, im Namen. Der erste Single Malt nach dieser Entscheidung der Destillerie-Mutter „Edrington Group“ heißt nach dem Heidekraut. „Heather” (63,6% vol.) ist aber nur indirekt von der violett blühenden Pflanze beeinflusst. Denn es ist der spezielle Torf auf Orkney, der aus zersetztem Heidekraut besteht. „Normaler Weise nehmen wir 12% davon in den Abfüllungen, hier sind es 100%“, die aus dem lokalen „Hobbister Moor“ stammen.
Der getorfte „new make“ wurde dann in einem Mix aus gebrauchten und neuen Sherry-Fässern aus europäischer und US-Eiche gereift. Altersangabe trägt der „Heather“ keine, doch der ohne Kühlfilterung gefüllte Single Malt macht auch ohne „age statement“ auf sich aufmerksam. Allem voran durch Sherry-induzierte Dörrobst-Noten, vor allem Datteln, die dem Rauch im Duft sogar noch vorausgehen. Die anfangs zarte Rauchfahne frischt zusehends auf. Es entwickelt sich eine wirklich schöne Schwefel-Note daraus, die viele Whiskyfreunde so schätzen. Aber auch gelbe Früchte kann man wahrnehmen, allerdings nicht konkret benennen.
Das ändert sich am Gaumen. Pfeffrig und mit der Kraft von über 63% Alkohol bremselt der „Heather“ auf der Zunge. Dabei schmeckt man aber auch Orange, ehe es im Mittelteil betont „smoky“ wird. Der salzige Nachhall bestätigt auch, dass man es mit einem anderen Torf wie auf dem Festland oder gar Islay zu tun hat. Null Jod, keine Algen oder andere maritime Noten sind da zu schmecken. Dafür macht ein Tropfen Wasser deutlicher, was da den Strukturgeber bereitstellt im Finish. Denn etwas „gezähmt“, liefert der kräftige Highland Park nussige Noten und Salz zugleich. Als hätte man vorwitzig eine ganze Packung Erdnüsse gesnackt. Und sich dann auch noch die Rauchmandeln aufgemacht für die Knusperschale. Denn natürlich bleibt der „heathered peat“ als rauchige Spur bis ganz zum Schluss haften. Das hätte auch gut in die Wikinger-Ära der Brennerei gepasst!
Bezugsquelle:
Highland Park, „Heather“ (Cask Strength) ist um EUR 79,90 z. B. bei Weisshaus online erhältlich, www.weisshaus.at






