Ein Video war das erste, was wir von Michael Gaitzenauer zu sehen bekamen. Im Stil schlechter (!) deutscher Schlager über Griechenland bewarb „Es war der Wein von Gaitzolos“ eine weiße Cuvée des Sollenauer Winzers. Gut gemacht und enorm witzig war das Filmchen, gespickt mit dem besten Humor – der Selbstironie. Dass es dann ein paar Anläufe brauchte, um die ganze Serie des Thermenregion-Newcomers (seit 2019 aktiv) zu verkosten, erhöhte nur die Vorfreude. An der hatten auch zwei Fakten großen Anteil: Gaitzenauer ist einer der weniger verbliebenen Winzer im Südteil der Thermenregion, die für viele „Weinkenner“ ja bei Teesdorf, maximal Leobersdorf, endet. Und er hat vor allem den Weißburgunder (hausintern als Pinot Blanc geführt) zu seiner wichtigsten Sorte erkoren.
Den Auftakt macht aber ein PIWI-Vertreter, der zeigt, dass Michael Gaitzenauer keinem Experiment abhold ist. Cabernet Blanc findet sich abseits des regnerischen Vulkanlands eher selten, doch dieser Auftakt macht große Freude. Es ist ein trinkanimierender Wein, der irgendwie die flüssige Variante des „Gaitzolos“-Videos ist. „Nimm mich bitte nicht zu ernst“, sagt dieser 2025er. Grüne Paprika als Sortenaroma zeigt sich eher als Pulver, denn als saftige Schote – zu wild geht es dieser „CB“ nicht an. Kräuter wie Estragon schwingen im grün-frischen Duft mit. Knackig und straff fällt die Textur aus. Das gilt praktisch für die ganze Palette der „Klassik“-Weine aus Sollenau, auch wenn diese einen anderen Jahrgang tragen (oder nicht im Ortsgebiet, sondern im nahen Wr. Neustadt wachsen).
Beim 2025er Cabernet Blanc aber hat Grüne Birne den Vortritt, der Paprika tritt zurück und lässt final dann einer anderen Note Raum. Limettenschale ist mit leicht herben Noten zu schmecken, vor allem aber trinkprotokollierten wir auch einen Hauch Salz. Damit ist eines festgezurrt: Das ist ein wunderbarer Aperitif-Schluck. Vorrangig zu Ziegenfrisch-Käse, am Salat oder gebraten, ist einerlei, servieren!
Wiener Neustadts „Stadtweine“ wären auch einen Vergleich wert, aber was soll man sagen, wenn man endlich dem echten „Wein von Gaitzolos“ gegenübersitzt? Als Cuvée aus Weißburgunder, Welschriesling, Grünem Veltliner und Gemischtem Satz (2024 wegen Hagels mit im Blend) verbindet er Kräuterschnitt, Limette, einen Hauch Kren und bereits im Geruch das „Nusserl“ des Weißburgunders. Am Gaumen wird es mild und wieder nussig – irgendwo zwischen Hanf-Nüssen und Leinsamen. In einer Blindkost hätten wir auf Chardonnay aus kühlen Lagen getippt. Der Wein selbst ist ein Plädoyer für mehr weiße Cuvées, denn auch der Veltliner bringt sich schön ein. Er sorgt für Zitrusnoten und ein feines „Pfefferl“. Auch der finale Gerbstoff-Grip hat wohl im „GV“ seinen Ursprung.
Doch wie erwähnt, ist unter den acht Hektar, die Gaitzenauer bewirtschaftet, der „PB“ mit 1,8 Hektar der klare Star. Sechs Varianten hat man im Keller, darunter zwei Einzellagen (Heugassl und Brenner), aus denen auch das Material für die Cuvées stammt, in denen die Sorte mitspielt. Unkompliziert und doch mit Struktur zeigt sich der Ortswein Sollenau. Er duftet nach Salzzitrone, Gelbem Apfel und überraschender Weise auch ein wenig nach Vanille – auch wenn er nur den Stahltank gesehen hat in seiner Wein-Werdung. Ein solider Schluck mit kühlen gelben Frucht-Noten, den wir uns jederzeit zu Hülsenfrüchten (Linsen-Dal, Kichererbsen-Curry o.ä.) vorstellen können.
Valentins dosierte Kraft – die Große Reserve 2021
Der großartigste Wein aber trägt den Namen vom „Filius von Gaitzolos“ (Ohrwürmer sind ein Hund!), nämlich Valentin. 2021 als Große Reserve gefüllt, überrascht dieser Weißburgunder, den man nie und nimmer in das Steinfeld gegeben hätte. Auch die Handschrift – Holz ja, aber nicht plump! – ist eigenständig und überzeugt: Es riecht nach Mango-Lassi und Vanille-Milch, kaum dass dieser Wein eingeschenkt ist. Das große Glas ist das Habitat des 2021ers, auch darüber macht sich der Tüftler aus Sollenau Gedanken. Mehrfach werden andere Gläser probiert, speziell um den Übergang von den Klassik-Weinen zu den reiferen Abfüllungen optimal erlebbar zu machen.
Doch der „Valentin“ braucht keinen Kurs in Achtsamkeit, der steht für sich selbst. Laktisch, aber nie zu fett, zeigt der Pinot Blanc enorme Muskeln. Am Gaumen zeigt sich die kühle Gangart. Ja, klar ist da wieder die Tropenfrucht, aber es ist eine kühle Ausprägung, die sich hier zeigt. Mango ist da und vor allem eine immer noch merkliche Säure, die den Wein davor bewahrt zu mächtig zu wirken. Es ist viel Substanz da, ein „Mäuvoll Wein“, hätte man früher gesagt. Aber alles ist am rechten Platz. Und hier muss man explizit das Preis-Genuss-Verhältnis ausloben.
Die Burgunder-Liebe komm auch bei den Rotweinen des Winzers durch. Vor allem beim Pinot Noir wagt er eine puristische Linie, die zugegebenermaßen nicht viele Konsumenten verstehen. Hellfärbig, wie man das an der Sorte liebt (mit dem großen „wenn“ – wenn man sie liebt!), kommt der 2020er „P 1“ ins Glas. Kirsche und sehr kühle Himbeere sind sofort da, die Würze braucht ein wenig Zeit, um nachzufolgen. Hat sie die Frucht eingeholt, hat man dann Schwarztee und ganz wenig Thymian in der Nase. Rund und saftig ist der rotfruchtige Burgunder dann auch am Gaumen, „gefährlich wenig Trinkwiderstand“, könnte man auch sagen. Denn lediglich ein wenig Gerbstoff, der aber nicht quer zur „Fahrtrichtung“ steht, sondern den Trinkfluss noch befördert, ist da. Warum man der Rebsorten-Diva immer noch ein Podest – natürlich aus Fass-Holz – errichtet, ist angesichts dieses trinkfreudigen Weines unerklärlich.
Sortentypisch sind beide Zweigelt-Varianten von Gaitzenauer, in einer Cuvée mischt der Rotburger aber auch mit. Konkret trifft er auf St. Laurent, Blauen Portugieser und etwas Pinot Noir. Das Hageljahr 2024 hat es nötig gemacht, die kleine Erntemenge noch mit einem 2023er zu ergänzen. Somit trägt die „Cuvée Tradition“ keinen Jahrgang am Etikett, doch das ist unerheblich. Preiselbeer-Confit und Fenchelsamen leiten den Duft ein, Brombeere übernimmt und gibt auch den geschmacklichen Takt vor. Saftig und mundfüllend ist dieser Rote, ein wenig kalter Kakao dämpft den beerigen Übermut am Gaumen. Engmaschig und durch die Fülle der Frucht mit einer fast verdeckten Säure macht dieser Wein Laune – ohne ein Leichtgewicht zu sein. Es ist ein Wein, der den eigenständigen Weg unterstreicht, den der junge Winzer hier geht. Denn da dürften auch die Heurigen-geeichten Freunde eines roten Viertels aufmerken. Für alle anderen gibt es eh den „P 1“. Und alle können sie am Ende singen: „Es war der Wein von Gaitzolos….“!
Bezugsquelle:
Weingut Gaitzenauer, Cabernet Blanc ist wie der „Gaitzolos“ 2024 um EUR 7,- zu haben, der Ortswein Sollenau (Pinot Blanc) 2023 um acht Euro, während die Große Reserve „Valentin“ 2021 um EUR 10,- erhältlich ist, der „P 1“ kostet EUR 12,-, die Cuvée Tradition ist um EUR 10,- zu haben – alle Weine über die Homepage des Winzers, www.weinheuriger.at







