Von der Islay-Whiskybrennerei Ardbeg ist man es gewohnt, dass sie einem lange Zähne macht. Das liegt zum einen an der markanten Torfrauch-Aromatik, die man immer und immer wieder kosten möchte (sobald man sich einmal in sie verliebt hat – was dauern kann). In der Regel gibt es die Sonderabfüllungen zunächst immer für die Fangemeinde, das Ardbeg Committee, ehe die normale Whisky-Gemeinde sie erwerben kann. Was macht man aber, wenn dieser 180.000 Mitglieder weltweit starke Verband selbst Jubiläum hat. 25 Jahre wird der Fanclub des flüssigen Rauchs heuer. Und das will man auf der Insel natürlich auch würdigen.
Die Vorbereitungen starteten beim „Ardbeg Day“ 2023 direkt auf Islay. Wie bei einem Kommandounternehmen lief die „Operation Smokescreen“ ab. In einem versteckten Winkerl der Destillerie durften 100 Ardbeggians aus 15 Ländern fünf verdeckte Proben verkosten und bewerten. Dr. Bill Lumsden, Director of Whisky Creation bei LVMH Moët Hennessy, und Master Blender Gillian Macdonald nahmen die Ergebnisse mit. Sie wurden zur Basis für eine Art Wunschkonzert im Warehouse. Die Vorlieben des Ardbeg Committees sollten sich im Jubiläumswhisky widerspiegeln.
Den gibt es nun auch und er nennt sich „Eureka!“ – der Archimedische Schrei soll die gefundene Lösung am Etikett unterstreichen. Tatsächlich hat man bereits beim Malz ungewöhnliche Wege beschritten. Das „roasted malt“, das Brauer auch als „chocolate malt“ oder Farbmalz kennen, wurde bei Ardbeg erst einmal verwendet (das war bei der Sonderfüllung 2022, dem „Ardcore“ der Fall). Bei der Schwester-Destillerie in Tain, Glenmorangie, hat man es für den „Signet“ in Verwendung, dort allerding ist der Röstgrad noch höher. Dazu kam eine Fass-Verwendung, die Whisky aus Pedro-Ximénez-Sherryfässern mit der Röstmalz-Charge (aus dem ehemaligen Bourbonfass) verband.
Die Nase des „Ardbeg Eureka!“ ist jedenfalls unverkennbar vom typischen Duft nach Teer, der vom Regen nass wurde, geprägt. Da kann jedes Committee-Mitglied schon einmal jubeln! Viel Frucht – und das ist anders als bei Standard-Abfüllungen – schwingt in der Nase des 52,2% vol starken Neulings mit. Brombeere in sehr reifem Zustand trifft auf Malzkaffee und Schokolade mit geringem Kakao-Anteil. Dazu blitzen im Hintergrund immer wieder Brotgewürze auf.
Überraschend sanft für seinen Alkoholgehalt zeigt sich der Islay-Malt zu Beginn im Mund. Der Rauch zieht sich geschmacklich erst einmal zurück und lässt Platz für Haselnüsse, Dörrfrüchte (Datteln) und Schokolade im Stil eines italienischen „Torrone“-Barrens. Doch es wäre kein Ardbeg, wenn der „Islay smoke“ nicht im letzten Drittel geschmacklich wieder etwas zu sagen hätte. Er tut es in Form von Rauch-Chili und einer feinen Würze, die immer mehr zulegt. Die Fenchelsaat ist wieder spürbar, dazu auch Kampot-Pfeffer (roter) und ein mehr als subtiler Lagerfeuer-Akzent.
Wasser – und hier merkt man den „zähmenden“ Einfluss des Sherry-Fasses – braucht man eigentlich nicht zugeben. Aus Erkenntnisinteresse erlauben wir es uns trotzdem. Und bekommen in der cremigen Trauben-Nuss-Note eine erste Ahnung des Sherry-Einflusses auch in der Nase. Doch auch ohne sie muss man den „Eureka!“ als überaus gelungenen Ardbeg anerkennen. Ein „dram“, würdig des Jubiläumsanlasses!
Bezugsquelle:
Ardbeg, „Eureka!“ ist ab dem 4. März 2025 exklusiv für angemeldete Mitglieder des „Ardbeg Committee“ um EUR 85,- erhältlich, www.ardbeg.com