Die Zukunft des heimischen Weinbaus hat immer sechs Gesichter. Sie trifft man beim Finale der Schlossquadrat-Trophy, die Jürgen Geyer heuer schon zum 16. Mal in Wien-Margareten ausrichten konnte. Nachwuchswinzer, die im SALON Österreich Wein vertreten sind und keine 35 Jahre alt sind, können teilnehmen bei der Suche nach dem österreichischen Weintalent des Jahres. Diesmal holte sich Martin Heinzl aus dem Weinviertel diesen Titel. Doch neben dem Sieger gab es einen zweiten Winzer, der mächtig aufzeigte. Erstens, weil er mit seinem lockeren Spruch auch im Impro-Interview auf der Bühne des „Schlossquadrats“ begeisterte. Vor allem aber, weil Lukas Schiefermair begeistert den oberösterreichischen Weinbau vertrat.
Kematen an der Krems ist zwar nicht Horitschon, doch auch dort hat er das Winzer-Handwerk erlernt. Paul Kerschbaum war einer der Lehrmeister, wie der Oberösterreicher uns erzählt. Daheim, im Bezirk Linz-Land, hat er dann 2014 mit dem ersten Weingarten begonnen, der Jahrgang 2017 stellte die Jungfernlese dar. Weißweine sind die Spezialität des auch als Most-Erzeuger tätigen Tüftlers. Wobei Schiefermair auch eine interessante Preispolitik fährt: „Man soll wegen des Geschmacks für meine Weine entscheiden und nicht wegen dem Preis“. Was konkret bedeutet, dass alle Fechsungen des Traunviertlers gleich viel kosten – nämlich wohlfeile 9,90 Euro.
Bei einem Glas seines Grünen Veltliners, der schlank und saftig ausfällt, wird es aber auch durchaus technisch. Denn der vermeintliche Exot hat in der heutigen Weinlandschaft hat auch einen nicht zu unterschätzenden Vorteil auf seiner Seite: „Oberösterreichs Weine sind alle recht moderat im Alkohol“, so „Ukii“ Schiefermair. Er selbst fährt die Ernte meist Mitte Oktober ein, „dann ist die physiologische Reife da, aber immer noch wenig Zucker eingelagert“.
Bei der „Schlossquadrat-Trophy“ zeigte vor allem sein zweiter Wein (neben besagtem Veltliner) auf. Denn er vereinte Druck und Zug perfekt. Erzeugt wird er in Kematen aus den Sorten Muskateller, Weißburgunder, Sauvignon Blanc und Müller-Thurgau als „Gemischter Satz“. Sehr duftig und auch floral wirkt dieser Wein, den der Winzer selbst als „frisch-fruchtig“ charakterisiert. Auffällig ist, dass die Muskat-Trauben nicht hervorstechen, der Blend aus dem Weingarten funktioniert hier sehr gut. Ein wenig Limettenschale ist zu riechen, auch Kirschblüte und ein wenig Gelbe Kiwi.
Damit ist einmal ein Rahmen gespannt. Und mit knackigen 6,1 Gramm Säure und lässigen 12% vol. Alkohol füllt sie der 2025er aus Kematen aus. Der Zug ist von Beginn an da, geschmacklich machen sich Apfel und Birne in einem ebenso geschmeidigen wie erfrischenden Weißwein die Sache aus. Dahinter ist auch am Gaumen ein wenig Zitrusfrucht da, die für Abrundung und Saftigkeit sorgt. Wer einen Sommerwein mit Aha-Effekt sucht – Schiefermair hätte ihn.
Bezugsquelle:
Schiefermair Wein, Gemischter Satz 2025 kostet ab Hof EUR 9,90, https://schiefermair.at



