Man geht immer bereichert nach einem Gespräch mit Willi Bründlmayer nach Hause. In diesem Falle hingen wir nach der gemeinsamen Verkostung im Steirereck Gedanken zum Rotwein nach. Warum wird oft um eine 08/15-Cuvée der Markle Cabernet-Merlot im Verhältnis 60:40 so viel Gewese gemacht? Und parallel dazu vertieft sich niemand in das komplizierte Wesen eines Schaumweins? Denn was beim Treffen mit Sekt-Pionier Bründlmayer und master of wine Andreas Wickhoff in die Gläser kam, ist außergewöhnlich. Genau so wie die Entscheidung dieses Duos, auch einen Sekt-Grundwein erstmals zu füllen. Dieser „F 25“ zeigt, was am Beginn steht bei der Versektung. Und wie wenig sich daraus ablesen lässt, wenn man nicht über Erfahrung und Konsequenz verfügt.
Letztere prägt den 2014 gelesenen Blanc de Blancs (Extra Brut). Er war der Star der Show und feierte gleichsam sein zweites Leben. Es gab diesen Wein in geringen Mengen bereits 2020 und er sammelte Top-Bewertungen. Doch entgegen merkantiler Logik ließ man das Gros – was auch nur heißt: 1.400 Flaschen – weiter reifen. Nun wurde das zweite dégorgement vorgestellt. Es erfolgte bei diesem Chardonnay– Jahrgangssekt im Oktober 2024. Was da ins Glas kommt, wuchs auf der Riede Steinberg und lagerte am Weingut zehn Jahre in 2.500-Liter-Behältnissen aus heimischem Eichenholz auf der Hefe.
Die gelbgrüne Robe zeigt Noblesse für das Auge, die Nase erfreut sich anm schönen Autolyse-Noten der 110 Monate ihr Werk verrichtenden Hefe. Fast wie Sauerrahmbutter kommt der erste Aroma-Schwall daher. Danach sortieren sich die Eindrücke, bleiben aber komplex und ungewöhnlich, wie das der Machart dieses Schaumwein-Rarität entspricht. Wir trinkprotokollierten Salzbrezel und dezente Säurigkeit, butter-sattes Brioche. Mit noch mehr Luft hat man vor dem geistigen Auge auch Graham-Cracker. Man kann auch sagen, dass alle noch so unterschiedlichen Eindrücke, die Freunde der „Bubbles“ lieben, hier vorhanden sind.
Wer Frucht vermisste, bekommt sie im ersten Schluck nachgereicht. Da geben sich die gelben Früchte wie Apfel, etwas Amalfi-Zitrone (fast mehr noch die Cedri aus Ligurien!), und Salz-Zitronen ein Stelldichein. Die ultrafeine Perlage und der hohe Trinkfluss lassen den Blanc de Blancs 2014 mitunter schon an Stillweine anstreifen. Doch er hat genug „Fizz“, um die finalen Noten wach zu kitzeln – Alpenkräuter wie Arnika sind es. Die hohe Präzision kann man in diesem Fall schmecken. Nur eine Bitte sei gestattet: Nicht als Aperitif „verheizen“, diese Flasche glänzt im Alleingang und nicht zu knapp genossen!
Besondere Freude machte aber der zweite Wein der Steirereck-Probe, auch wenn Willi Bründlmayer (am Bild oben) das nicht wusste. Denn irgendwie war für uns persönlich heuer das Jahr der Blancs de Noirs. Lang waren uns die reinen Rote-Trauben-Sekte zu üppig, zu plump oder zu eindimensional. Doch offenbar hat man auch hier den Zugang in der Champagne geändert. Oder wir griffen endlich zu den richtigen Abfüllungen. Sei es, wie es sei, der 2019er Blanc de Noirs (Extra Brut mit 6,1 Gramm Dosage) aus Langenlois gehört zu den „richtigen“ Sekten dieses Stils!
Die Pinot Noir-Trauben stammen u. a. aus der Riede Holzweg mit ihrem kalkigen Boden und südlicher Ausrichtung. Die Erwartungshaltung angesichts der Eckdaten lautet also auf schönes Spiel aus reifen Fruchttönen und säurigem Zug. Nun, der in gebrauchten Fässern (à 2.500 Liter) vergorene Sekt in unserem Glas will sich nicht entscheiden. Das sagt uns der Duft: Rauch und Ribisl stehen für zwei ausgeprägte Noten dieses Blanc de Noirs. Heidelbeer-Schaum und Meringue verstärken die fruchtigen Düfte des Pinot Noirs, während Leinsamen und Grünkaffee die Würzigkeit betonen. Will man einen musikalischen Vergleich ziehen, wäre der 2019er ein glockenhelles Trompeten-Solo, aber eben „g’fäult“ gespielt, sagen wir im Boban Marković-Stil.
Wem das zu viel Abschweifung ist, Weinprosa vom Üblen, dem liefern wir mehr Präzision nach. Denn die prägt auch den neuen Bründlmayer-Sekt. Wie ein Skalpell bahnt sich die Perlage ihren Weg durch die Fruchtigkeit, die als Schwall gelber Früchte auf die Zunge kommt. Der dezente Rauch ist erneut da, aber auch die Frucht dreht in Richtung typischerer Burgunder-Noten. Als da wäre: die Himbeere. Sie wirkt wie ein Makrönchen (für die frankophilen Winzer: macaron) der Beere, denn auch die leichte Gebäcknote, erneut als röstige Akkorde zu schmecken, ist dabei. Sie kommt im Nachhall deutlich hervor und verlieht diesem herrlichen Sekt die letzte Spannung.
Bezugsquellen:
Bründlmayer, Blanc de Blancs (Extra brut) 2014 – zweites dégorgement – wird um EUR 72,90 bei Tesdorpf angeboten, www.tesdorpf.de
Bründlmayer, Blanc de Noirs (Extra brut) 2019 wiederum kostet EUR 47,99 bei Wein&Co., www.weinco.at






