Wer schon einmal die Brennerei von „Angostura“ in Laventille (Trinidad&Tobago) besucht hat, kennt deren Begeisterung für Schmetterlinge. Die international bedeutende „Barcant Butterfly Collection“ ist Teil des Firmenmuseums – und zeigt etwa sogar von Natur aus leuchtende Exemplare. Auch auf den neuen Rumflaschen leuchtet einem nun der Schmetterling entgegen. Mehrfach! Am Stoppel, dem Etikett und – versteckt eingestanzt – auch auf der Flasche. Auf den Zuckerrohrfeldern zeigen die Insekten an, „wenn die Reife da ist“. So romantisch formuliert Daniyel Jones die Rolle der Schmetterlinge.
Der globale Markenbotschafter ist grundsympathisch und so war es eine Freude, ihn in Wien zu treffen, nachdem wir uns in Trinidad beim 200 Jahre-Jubiläum des weltbekannten Aromatic Bitters verpasst haben. Doch „Me and Mister Jones“ reden nicht nur über die neue Optik. Denn auch inhaltlich hat sich etwas verändert. So erhielt der „1787“ nun die klare Altersangabe „15 years“, während der „1919“ nicht nur den Label-Zusatz „Grand Reserve“ führt. Er hat auch eine leicht veränderte Rezeptur.
Nicht das Alter der Destillate in diesem Blend („sieben, neun und zehn Jahre gereifte Rums“, so Daniyel Jones) ist neu. Sondern es werden andere „Cut-Punkte“ verwendet, die schwereren Rum ergeben. Wenn wir uns korrekt erinnern, sind es knapp unter 70% vol gebrannte Melasse-Brände, die nicht so leicht wie die regulären (94%-igen) Destillate aus der mächtigen Kolonne von Laventille sind. Und der Körper ist spürbar anders gegenüber der Vorgänger-Füllung. Sie war zwar stets im Schatten des „1824“ gestanden, aber aufgrund ihrer Zugänglichkeit immer ein Preis-Leistung-Tipp in unserem Regal gewesen.
Wie also macht sich der Neue? Das ist eine Frage, die ein bisschen Angstlust mitbringt. So, wie wenn die Freundin sich „neue Haare“ machen lässt, wo doch die alten so attraktiv waren…
Ein Tipp unseren Freundes Daniyel ist jedenfalls goldrichtig: Kein enges Kostglas („Nosing“ oder „Copita“) soll es sein. Die „Grand Reserve“ mag einen Tumbler. Dann wirkt er gleich mächtiger und er bringt das Kunststück zu Wege, eine relative süße Nase zu haben, aber am Gaumen nicht ins Kitsch-Element zu entgleisen. Nougat und Vanille erinnern an „Milka Naps“, die kleinen Schokotäfelchen. In der Tat ist es aber auch Weiße Schoko, die einem da in die Nase steigt. Die Würze der längeren Reifung (zehn Jahre sind keine kleine Nummer in der Rum-Welt!) hat auch ihren Auftritt. Vor allem Nelke und Piment sind mit etwas Geduld zu erschnuppern.
Am Gaumen fällt zunächst das Mundgefühl auf; viskos wirkt der neue „1919“. Die Gewürze sind zu Beginn präsenter, während der Mittelteil eine saftige Gangart anschlägt. Hier kommt auch eine merkliche Süße durch, die aber unter 20 Gramm Zucker liegen muss – das Etikett zeichnet den Trinidad-Rum nicht als „Spirituose“ aus. Und in der Tat weicht dieser kurze Sonnenstrahl erneut holzigeren Noten. Wieder ist Nelkenpfeffer alias Piment mit seiner feinen Würze zu schmecken. Und wo wir „Mister Angostura“ schon neben uns am Sofa haben, zitieren wir gerne seine Cocktail-Empfehlung: „Daiquiri oder ein Old Fashioned“. Vor allem letzteres – mit einem nicht zu süßen roten Wermut (oder „Cocchi Americano“!) – ergibt einen herrlichen Aperitiv-Drink. Auch wenn er nicht so leicht wie ein Schmetterling aus Trinidad ausfällt!
Bezugsquelle:
Angostura Rum, „Grand Reserve 1919“ kostet EUR 34,90 (0,7 Liter-Flasche) bei Interspars „Weinwelt“ bzw. im Webshop, www.interspar.at







