Wie kommt denn Heine ins Bier? Diese Frage stellte sich heuer zum Jahreswechsel. Denn einer schönen Tradition folgend, macht Hofstettens Braumeister Peter Krammer einen flüssigen Rückblick. Als kleines Paket kommen dann die Bierkreationen seines Braujahres zu uns (2024 etwa kann man hier nachlesen). Manches davon wie der „Granit-Bock“ darf man als klassische Biere bezeichnen. Aber der findige Bräu sorgt auch immer für Neues – auch wenn der Blick in manchen Fällen zurück, in die Braugeschichte, fällt. Das löst auch das Rätsel des Heine-Biers, denn mit dem Dichter hat das Zwickl nichts zu tun.
Vielmehr wurde die alte Gerstensorte „Heines Heisa“ wiederbelebt. Was man sich wörtlich so vorstellen darf, denn das Saatgut stammte aus der Gen-Bank im Linz und musste erst vermehrt werden, ehe es wieder auf Oberösterreichs Äcker fand. Einige Bio-Landwirte interessierte die Suche Krammers nach dem verlorenen Biergeschmack. Die zweite Zutat stammt ohnehin aus dem Mühlviertel. Der traditionelle Hopfen der Sorte Malling ist das Biergewürz des „Urgersten Zwickl“. Man kann es ab nun kurz machen: Wer den Bierstil mag, wird das „Heine“ lieben.
Denn seine schöne Trübung im golden-braunen Erscheinungsbild erfreut schon mal das Auge. Noch mehr Begeisterung ruft der Hefe-Touch hervor, der so ausgeprägt wie die Autolyse-Noten eines lange gelagerten Champagners ausfällt. Dazu denkt man an braune Butter, feine Dotterblumen-Düfte sind auch im Spiel und für Geduldige ändert sich dieses Bild noch. Mit Luft zeigt das Zwickl dann seine Gersten-Seite in einem an Getreidebrei und Couscous erinnernden Geruch. Frucht hat das vom „Heines Heisa“-Malz getragene Bier nicht im Repertoire, dafür einen eleganten, nicht zu süßen Honig-Duft.
Der erste Schluck ist vollmundig und herrlich typisch, man schmeckt förmlich ein wenig das Korn, in diesem Fall auch mit ein wenig malziger Süße verbunden. Die Meisterschaft des Brauers zeigt sich aber im Hopfeneinsatz, der ab dem mittleren Trunk erst zu spüren ist. Im Finale wird die Gerstenmalz-Intensität dann von einer feinen Bittere abgefangen. Und mit dem Schluss-Akkord – einem spürbaren „Pfefferl“ – setzt das Zwickl noch eines drauf. Damit wird es nämlich würzig zum Schluss und man trinkt gleich nach von diesem im besten Sinne „old school“-Bier.
Ebenfalls im Hofstetten-Set fand sich auch ein Rezept, das Peter Krammers Version eines Stout darstellt. NUA nennt sich das tiefdunkle Bier, was in diesem Fall kein oberösterreichischer Dialekt-Minimalismus (à la Attwenger) ist. Sondern das gälische Wort für „neu“. Das war das nur 4,1% vol. leichte Stout auch, als es erstmals gebraut wurde. Nun hat man nach zehn Jahren eine neue Version parat, die vor allem in regionalen Pubs – bis ins Linzer „Chelsea“ – ihren cremigen Schaum entfaltet. Aus der Flasche geht das mangels Nitro-Zapfhahn nicht ganz so gut, der Geschmack zeigt aber auch da den neuen Ansatz.
Dieses ungewöhnliche Stout hat schon im Duft mehr Kakao als den gewohnt röstigen Kaffee vieler anderer Biere dieses Stils zu bieten. Der ganz zarte Schaum bekränzt ein dunkelbraunes, nach dunkler Schokolade riechendes Getränk. Auch etwas Haselnuss-Creme – wenn auch nicht so süß wie z. B. in „Manner“-Schnitten – trinkprotokollierten wir. Kühl und mit lebhafter Kohlensäure zeigt sich das „Nua“ auf der Zunge. Zu diesen taktilen Reizen kommt der Geschmack von Kakaomilch, denn auch eine feine Cremigkeit bringt dieses Hofstettner mit. Fast metallisch kühl wirkt das Bier, das keine Süße zeigt, was aber von den dunklen Malznoten „geschluckt“ wird. Final bleibt ein vollmundiges und trockenes Stout übrig, das man sich zu Risotto alla milanese ebenso vorstellen kann wie Buchteln mit Vanillesauce.
Bezugsquellen:
Hofstettner Bier, „Heines“ Urgersten Zwickl kostet EUR 2,66 (in der 0,33 Liter-Flasche) beim „Biertempel“, www.biertempel.at
Hofstettner Bier, NUA Stout ist um EUR 3,90 (in der 0,33 Liter-Flasche) bei „BeerLovers“ zu beziehen, https://beerlovers.at




