Es ist auch eine Liebesgeschichte. Denn Elena und Paul Schabl waren irgendwie beide „auf der Flucht“, wie es der Winzer nennt. Statt in der Landwirtschaft zu bleiben, zog es den jungen Paul zur VWL-Ausbildung, die ihn bis Montréal führte. Und französisch-hedonistisch geprägt, wie man so ist in Quebec, verstand die Gastfamilie nicht, wie man ein Weingut verlassen kann. Und sie behielten recht. Schabl traf nicht nur seine eigentlich nach Neuseeland ausgewanderte jetzige Frau (die dort nicht so glücklich wurde, wie erhofft). Und so entstand neben der Zuneigung auch der nur so zu verstehende Slogan des Weinguts: „Fast wäre das alles nicht passiert – aber „Bio“ hat uns wieder zusammengebracht“.
Denn Elena ist die von alternativer Landwirtschaft Überzeugte, Paul Schabl eigentlich Rationalist. Und so muss sich alles auch empirisch bewähren, nicht nur gut klingen. Gemeinsam hat man so eine 60.000 Flaschen-Produktion in Königsbrunn am Wagram aufgezogen. 10,5 Hektar der Familienweingärten liefern die Basis dafür. Für die junge Klienten füllt man die „Rebell Naturell“-Linie, aus der uns der – leider ausverkaufte – Rosé 2022 gefiel. Stahlig und mit Sauerkirsch-Noten erfrischt der reinsortige Zweigelt den Gaumen richtiggehend. Doch natürlich ist nicht Rotwein der Daseinszweck des jungen Paares, das im Wiener &flora seine Arbeitsweise anhand von 16 Weinen vorstellte.
Der Grüne Veltliner macht einen wesentlichen Teil des Sortiments aus. Und es geht um Eleganz und wenig Alkohol, das machte die Serie der Jahre 2021 bis 2024 vom „Ried Hochrain“ klar. Egal ob Krenwurzel-Würzigkeit (der aktuelle Jahrgang 2024) oder Tropenfrucht (2023) das prägende Element waren, immer war die Säure ganz mild und mitunter ab der Gaumenmitte auf beständigem Rückzug. Es sind Weine, denen man zuhören können muss. Vor allem brauchen sie auch ihre Zeit, was der GV Hochrain 2021 zeigte. Er kombinierte eine reife, recht verhaltene Nase nach rotem Apfel und Weingartenpfirsich mit einer filigranen Säure im Hall. Es sind Weine, die allesamt Aufmerksamkeit erfordern. Sie wollen in ihrer Komplexität erkannt werden. Was uns – das geben wir zu, denn Trinkprotokollieren ist auch von der Tagesform abhängig – nicht so recht gelang.
Mit Papaya-Duft & „Slow Food“-geschützt
Was angesichts der Auswahl von Tonflaschen über blühende Blumen auf Riesling-Labels kein Problem war. Denn es kam ja noch ein Flight mit dem König des Wagrams – dem Roten Veltliner. Erfreulicher Weise hat sich dessen Bestand bundesweit auch wieder auf 200 Hektar eingependelt. Leicht macht es die Sorte dem Winzer allerdings weiterhin nicht. Vor allem ihre Üppigkeit, die schnell einmal in zu viel Alkohol abdriftet, macht in heißen Perioden Sorgen. Geht die Säure flöten, ist auch die Balance zwischen der ausgeprägten Fruchtigkeit und der Frische dahin. Elena und Paul Schabl haben daher für Konkurrenz im Weingarten gesorgt. „Unterstock-Begrünung“ heißt das Zauberwort. Was weniger romantisch klingt, aber durch Pflanzen unter den Reben für Konkurrenz zum Wachstum sorgt.
Das funktioniert prächtig, wie der Flight mit drei Ortsweinen („Königsbrunn“) zeigte. Schon hier aber ließ sich feststellen, dass Schabls Umgang mit dem Roten Veltliner ein „work in progress“ darstellt. Es gibt keinen Einheitsstil, die Unterschiede sind groß. Denn Trauben und Winzer interagieren, „Korsett“ gibt es aber in keinem der drei Jahre 2023 bis 2025. Der für uns typischste Vertreter der Rebsorte im Dreier-Flight ist aber sicher 2024. Da ist Papaya in Reinkultur zu riechen. Diese rote Tropenfrucht wird von hellem Tabak begleitet. Saftig und relativ satt kommt der Weißwein dann auf den Gaumen. Zur Papaya gesellen sich säurigere Früchte – man denkt an Kumquats und Orangen. Die Sommeliers in unserer Kostrunde begannen förmlich mit dem Aufzählen der möglichen Speise-Kombinationen zu diesem herrlichen Ortswein.
Doch es lässt sich alles noch steigern beim Lagenwein. Roter Veltliner „Ried Steinberg“. Vor allem der Jahrgang 2023 konnte hier auch seinen Stammbaum aufzeigen. Denn als Elternsorte etlicher heimischer Raritäten ist der „RV“ schließlich bekannt. Und hier denkt man sofort an den Rotgipfler, so ausgeprägt ist die reife Tropenfrucht-Mischung in der Nase. Papaya und ein Anflug von Mango führt zu einem schnellen Schluck – denn das will man trinken. Und die Eindrücke kehren alle auch im Geschmack wieder, hier noch von einer dezenten Würzigkeit unterstützt. Für Schabls Stil ist das fast schon alkoholisch, doch die Sorte kann mit dieser Last umgehen. Speziell, wenn sie wie der „Steinberg“ 2023 auch Zitrusakkorde aufweist. Hier läuft also nichts aus dem Ruder, eine versteckte Säure leistet vielmehr dem Trinkfluss Vorschub. Der Jahrgang 2022, der ebenfalls ins Glas kam, ist da ein ganz anderer Vertreter. Hier findet man mit Tomatenblatt und Olive auch Pikanz, die der Fruchtigkeit gut steht. Dagegen schwangen Schwefelholz, Wachs und Süßorangen beim 2024er mit und sie zeigten: Wer Rotgipfler versteht, wie die Schabls, kann auch neben dem Klischée von Wuchtbrummen mit 14 „PS“ herrliche Sortenvertreter füllen.
Bezugsquelle:
Weingut Schabl, Roter Veltliner „Königsbrunn“ 2024 ist um EUR 12,50 erhältlich, der Rote Veltliner „Ried Steinberg“ 2023 kostet EUR 21,- ab Hof bzw. im Webshop der Schabls, www.weingut-schabl.at






