Um zu verstehen, wo der Bilderstürmer Scott Sneddon ansetzt, sollte man einiges über die Whisky-Herstellung wissen. Denn nur dann versteht man, wo die Brennerei InchDairnie vom orthodoxen Weg abzweigt. Ein Kernstück dabei ist das Ersetzen des Läuterbottichs (mash tun) durch eine Filterpresse (mash filter press). Nur zwei schottische Brennereien setzen auf dieses System, das mehrere Effekte hat. Zum einen entsteht weniger Biomüll, da mehr Würze weiterverarbeitet wird. Dazu hat diese Ausbeute auch mehr Zuckergehalt. Zusammen mit einem maximalen Kupferkontakt – hier kommen in Glenrothes doppelte condenser zum Einsatz – entsteht von Haus aus ein spezieller Getreidebrand.
Oder besser: zwei. Denn auch Single Grain erzeugt die Brennerei, interessanter Weise solchen mit mehrheitlich (53%) Roggen. Doch nicht der „RyeLaw“ kommt bei uns ins Kostglas, sondern ein Beispiel für die Single Malts des 2015 eröffneten Newcomers. Der ist damit auch schon älter als die üblichen Einstiegsfüllungen, nämlich acht Jahre. Sie verbrachte der Whisky neben Ex-Bourbon-Fässern auch in Gebinden, in denen zuvor Amontillado lagerte. Drei Jahre gaben das Gepräge des Sherrys an den Single Malt ab.
Wichtig ist allerdings noch eine weitere Besonderheit. InchDairnie destilliert auch getorften Whisky unter dem Label „KinGlassie“. Der erwähnte „Double Matured 8 years“ hat dabei Rauchmalz der intensiven Machart (50 ppm – parts per million) abbekommen. Der Torf für dieses Rauchmalz stammt aus den Highlands, also nicht von den Inseln, die in der Regel jodigere Noten mit ins Korn bringen. Daher kommt er auch trockener an die Nase und fast schon holzig; wer an Selchbratwürstel denkt, liegt nicht falsch.
Dahinter kommen ebenfalls keine maritimen Noten zum Vorschein, wie man sie aus Islays Brennereien kennt. Dafür sind ungeschälte Hasennüsse und kross geröstete Bananenchips zu riechen. Gegenüber diesen Holz-geprägten Bei-Noten wird es im Mund deutlich sanfter. Hier haben die Dörrfrüchte, namentlich Datteln und getrockneter Apfel, ihren Auftritt. Auch da schwingen Schalen-Töne und natürlich der Rauch mit. Gesmoketer Chili („chipotle“) und klassische Rauchmandeln sind die Assoziationen zum Geschmack. An Power lässt es der mit 46,3% vol. abgefüllte „KinGlassie“ nicht fehlen. Auch im Nachklang ist er noch lange präsent und zeigt dann nochmals die Dattel-Nuss-Seite.
Viel gibt es nicht von diesem Whisky, denn nur zwei Wochen pro Jahr wird mit Rauchmalz gearbeitet im historischen County Fife. Doch mit diesem Malt aus Glenrothes kann man auch nachvollziehen, was den Norddeutschen Dietmar Schulz überzeugte, die junge Brennerei in sein Portfolio bei Alba Import aufzunehmen. „Wir waren skeptisch, ob eine derart moderne Brennerei zu uns passt“, meint Importeur Schulz. Doch die „High Tech-Destillerie“ scheint einiges richtig zu machen. All die modernen Mittel dienen einfach einem Maximum an (Rauch)Geschmack!
Bezugsquelle:
InchDairnie, KinGlassie 8 Years Old („Double Matured“) ist um EUR 80 (0,7 Liter-Flasche) beim Whisky-Spezialist „Potstill“ erhältlich, www.potstill.org





